Danksagung:
Frank Stopper hat mir freundlicherweise den
folgenden bemerkenswerten Zuchtbericht zur Verfügung gestellt. Für
alle Zwergkugelfisch-Liebhaber und angehenden Züchter wird dieser Zuchtbericht
mit seinen detalierten und interessanten Ausführungen, sowie den tollen
Bilder zur Pflichtlektüre werden.
Zuchtbericht – Zwergkugelfische
(Nov.-Dez. 2005)
Vom Balzverhalten, der Eiablage bis zur ersten Nahrungsaufnahme
und dem Freischwimmen der Zwergkugelfische
Ich halte seit ca. 4 Jahren Zwergkugelfische
(Carinotetraodon travancoricus) und konnte einige Erfahrung in der Haltung
dieser Interessanten Fische sammeln. Seit 2005 halte ich die Fische im
reinen Artenbecken. In den Jahren zuvor waren meine Zwergkugelfische
mit verschiedenen Salmlerarten vergesellschaftet. Zu dieser Zeit konnte
ich kein Balzverhalten der Zwergkugelfische beobachten.
Nachdem ich mein
60cm – Aquarium im Sommer dieses Jahres als (fast)
reines Artenbecken mit der Besatzung von insgesamt 6 Zwergkugelfischen,
einigen Armanogarnelen und 2 Zwergwelsen (zur Algenvernichtung) einrichtete,
konnte ich Ende Oktober 05 das erste Balzverhalten im Becken beobachten.
In den nächsten Tagen besorgte ich mir ein großes Büschel
Javamoos (ca. 20*10*10 cm Volumen), welches als Laichsubstrat dienen
sollte, und platzierte es im Aquarium zwischen Frontscheibe und Wurzelholz.
Das Balzverhalten ging in der Zwischenzeit täglich (und fast immer
pünktlich zwischen 16 Uhr und 19 Uhr) weiter. Jedoch erst als sich
das Javamoos im Becken befand konnte ich auch das Ablaichverhalten mit
Eiablage (enges Aneinanderschmiegen der
Körper und fluchtartiges Verlassen des Javamoos seitens des weiblichen
Tieres nach Ende der Eiablage) im Innern des Moosbüschels verfolgen.
Eier
waren jedoch zuerst keine zu sehen. Erst ca. 2 Tage später konnte
ich nach dem Abschalten des Lichtes im Aquarium am späten Abend mit
Hilfe einer Taschenlampe einige Eier am Bodengrund unter dem Javamoos ausmachen.
Am nächsten Morgen entfernte ich das Javamoosbüschel aus dem
Aquarium und saugte mit einem Schlauch die oberste Schicht des Bodensubstrat, über
dem das Javamoos gelegen hatte, ab und füllte das Ganze in eine flache
Glasschale.Was dann folgt gleicht dem Vorgang des Auswaschens
von Goldklümpchen
eines Goldwäschers aus einem Fluss. Bei normalem Zimmerlicht waren
zuerst keine Eier zu erkennen. Erst als ich mit der Schale ans Fenster
ging, konnte ich mit Hilfe des Tageslichtes ein paar der fast durchsichtigen
Eier erkennen. Durch leichtes hin- und herschwenken (wie beim Goldwaschen),
kann man die Eier besser vom schwereren, am Boden der Glasschale liegen
bleibenden Bodensubstrat (Kies) unterscheiden.
Die Eier (ca. 8 Stück) saugte ich anschließend ab und gab sie
in ein separates Aufzuchtbecken (12 Liter), dass zur Hälfte mit Wasser
aus dem Becken der Alttiere und zur Hälfte mit frischem Leitungswasser
gefüllt war. Die Temperatur in diesem kleinen Aufzuchtbecken stellte
ich auf 28°C ein. Zusätzlich legte ich noch zwei flache
Filterwatten im Becken aus, auf denen sich Mikroorganismen ansiedeln
konnten.
Ich machte täglich einen Wasserwechsel von ca. 1 Liter mit
der gleichen Mischung von Altwasser und frischem Leitungswasser und hoffte
so das Becken mit den Eiern sauber halten zu können.
Ein Großteil der Eier fiel im Anschluß jedoch Verpilzungen zum
Opfer. Diese Verluste führte ich auf das noch nicht vollständig
eingefahrene Becken zurück. Obwohl ich Biostarter zugegeben hatte
und beim Wasserwechsel zusätzlich einige Tropfen Wasseraufbereiter
dazugab, war die Verpilzung der Eier anfänglich das größte
Problem bei der Aufzucht. Lediglich 2 oder 3 Larven schafften es in der
Anfangszeit nach 5-6 Tagen aus den Eiern zu Schlüpfen. Ein weiterer,
erheblicher Teil der Larven konnte die Eihülle nicht vollständig
sprengen und starb am nächsten Tag im halb geschlüpften Zustand
ab.
Meine Alttiere im großen Becken legten in der Zwischenzeit fast
täglich einige Eier (bis zu 10 Stück am Tag) im Javamoos
ab. Die in oder unter dem Javamoos abgelegten Eier saugte ich jeweils am nächsten
Morgen ab, nachdem ich am Vortag das Balzverhalten im Becken beobachtete.
Die Tiere benötigen während dieser Zeit sehr gutes und auch sehr
viel Futter, da das ständige Ablaichen und die Balzvorgänge sehr
anstrengend für die Tiere ist. Ich fütterte zu der Zeit (auch
vor dem ersten Balzverhalten) auschließlich
Lebendfutter in allen Variationen (rote+weiße Mückenlarven
und Schnecken).
Die hohe Anzahl der abgelegten Eier gab mir
einen gewissen Spielraum zum Experimentieren. Um das Wasser im Aufzuchtbecken
mit Mikroorganismen und Zooplankton
anzureichern, saugte ich aus unserem Gartenteich ein paar Liter Wasser
mit Bodenschlamm ab und gab einen Teil des Wassers und der Plankter in
das Aufzuchtbecken. Zusätzlich reduzierte ich die Karbonathärte
des Wassers, indem ich beim Wasserwechsel destilliertes Wasser beimischte,
um somit vielleicht die Sprengung der Eihülle zu vereinfachen.
Bis 3 Wochen nach der ersten Eiablage der Alttiere schaffte ich es nicht,
auch nur eines der wenigen geschlüpften Jungtiere länger als
4-5 Tage am Leben zu halten. Die Jungtiere zehren ca. 4 – 5 Tage
von ihrem Dottersack und sind nach dem Schlupf ca. 3 mm groß. Die
ersten 3 bis 4 Wochen versuchte ich das Wasser im Aufzuchtbecken nur mit
dem tägl. Wasserwechsel sauber zu halten. Zwar wurden die Ausfälle
durch Verpilzungen im Laufe der Zeit mit der Zunahme der Mikroorganismen
immer geringer, aber alle geschlüpften Jungtiere starben regelmäßig
nach dem Aufzehren des Dottersackes nach 5-6 Tagen ab. In der Zwischenzeit
konnten sich im Aufzuchtbecken zahlreiche Zooplankter wie z.B Cyclops und
Rädertierchen ansiedeln und sollten als Erstnahrung für die Jungtiere
dienen. Das Jungfischsterben ging dennoch weiter.
Ich schob es auf die Verschlechterung der Wasserqualität durch die
Zugabe großer Mengen an Lebendfutter (in Form von Mikrowürmern
und frisch geschlüpften Artemianauplien) zur Fütterung die Jungfische
nach dem Aufzehren des Dottersackes und kaufte mir im Anschluß einen luftbetriebenen
Schwammfilter, der das Wasser sauber halten sollte.
Wie durch ein Wunder überlebten nach der Inbetriebnahme des Filters
nun fast alle Jungfische der neueren Gelege, auch über die kritische
Grenze von 5-6 Tagen hinaus und begannen ca. 6 Tage nach dem Schlupf aus
der Eihülle die Futteraufnahme.
Nach dem 7. Tag begannen die jungen Kugelfische endlich das Freischwimmen
im Aufzuchtbecken und dies ganz im Stile der Alttiere. In den Tagen
davor liegen die Jungtiere fast ausschließlich auf dem Beckengrund
oder verstecken sich im Javamoos.
Ich vermute das letztendlich vor allem
die mangelnde Sauerstoffversorgung für das anfängliche Massensterben der Jungfische verantwortlich
war. Ich dachte fälschlicherweise, dass ich durch das ins Becken gelegte
Javamoos und die täglichen Wasserwechsel eine ausreichende Sauerstoffversorgung
gewährleisten könnte.
Zusätzlich stellte ich eine leichte Verbesserung der Schlupfrate nach
dem „Enthärten“ des Wassers im Aufzuchtbecken (um etwa
2 Härtegrade von 10 dKH auf 8 dKH)) fest. Jedoch sind auch bei den
neueren Gelegen noch einige Larven dabei, die nicht vollständig oder
zum Teil auch mit dem falschen Körperteil zuerst aus der Eihülle
schlüpfen und absterben.
Eine eindeutige Futteraufnahme in den ersten
10 Lebenstagen konnte ich aufgrund der geringen Größe der Jungfische
nur selten beobachten. 6
Tage nach dem Schlupf wurden die ersten Mikrowürmer verspeist.
Dabei ist schon in diesem Alter das Verhalten der Jungfische bei der Futteraufnahme
mit dem der Alttiere beim Fressen von Mückenlarven zu vergleichen,
nur das die Mikrowürmer nur ca. 2 mm lang und der Jungfisch 3-4 mm
groß ist.
Frisch geschlüpfte Artemia- Nauplien sind wesentlich größer
als Mikrowürmer und wurden bei mir erst nach 7-8 Tagen aufgenommen.
Durch das Beobachten bei der Futteraufnahme, gelangte ich zu der Annahme,
dass die Jungtiere erst „lernen“ mussten, was fressbar ist
und was nicht.
Durch Beobachtungen mit einer Lupe, konnte ich feststellen, dass zusätzlich,
mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Zooplankter, von den Jungfischen
fokusiert und aufgenommen werden. Es stellt sich die Frage, ob solche Kleinstlebewesen
in den ersten Tagen nach Aufzehren des Dottersackes für das Überleben
der Jungtiere notwendig sind oder nicht. Vielleicht war das Nichtvorhandensein
solcher Kleinstlebewesen ein weiterer Grund für das anfängliche
Jungfischsterben in meinem Becken?
5 Essentielle Dinge für
eine erfolgreiche Eiablage und Laichstimulation von Zwergkugelfischen:
- Ein reines Artenbecken (zumindest
ohne andere räuberische Fischarten, wie z.B. Salmler) – Armanogarnelen
und Otoclinuswelse zur Algenbekämpfung können auch während
der Laichzeit vergesellschaftet werden.
- Ein großes Büschel
Javamoos (als
Laichsubstrat; mind. 20*10*10cm Volumen)
- Eine Wassertemperatur
von 27-28°C
- Gutes und vor allem Viel Lebendfutter (rote+weiße
Mückenlarven)
- Zwergkugelfische beiderlei Geschlechter
(Diese Angaben beruhen
lediglich auf eigenen Erfahrungen und sind ohne Gewähr)
5
Essentielle Dinge für das erfolgreiche Schlüpfen
und die Aufzucht der jungen Zwergkugelfische:
- Ein kleines eingefahrenes Aufzuchtbecken (12
Liter; mit Mikroorganismen und Zooplankton)
- Ein luftbetriebener Schwammfilter (z.B. BIOCLEAR
von Europet)
- Ein kleines Büschel
Javamoos (als
Versteck für die Jungfische und Larven)
- Mikrowürmer (klein)-
und Artemiazucht (Aufzuchtfutter
für die Jungfische)
- Temperatur im Aufzuchtbecken
von 28°C (mit
25 Watt Regelheizer einstellen)
(Diese Angaben beruhen lediglich auf eigenen Erfahrungen
und sind ohne Gewähr)
Beckeneinrichtungen und die Fotodokumentation
der Aufzucht im Nov.-Dez. 2005:
Becken der Alttiere:
Eier (ca. 3 Tage alt, etwa 1,5 mm groß)
Eier kurz vor dem Schlupf (ca. 5-6 Tage alt)
Schlüpfen der Larven
Frisch geschlüpfte Larve (etwa 3 mm groß)
Frisch geschlüpfte Larve 2
Frei schwimmende Jungfische (6-7 Tage nach dem Schlupf; ca. 4 mm groß)
Weitere Erfahrungen bei der Aufzucht – Ergänzungen:
1. Wasserwerte: In meinem Aufzuchtbecken = Optimale Schlupfrate (nahezu 100%) bei Einstellung folgender Härtegrade des Wassers: 6 KH; 8 GH
2. Fütterung: Mikrowürmer vor allem in den ersten Tagen nach Aufzehren des Dottersacks. Frisch geschlüpfte Artemia-Nauplien können später (nach 7-8 Tagen) in wesentlich höherer Zahl aufgenommen werden als Mikrowürmer (?Dicke orangefarbene Bäuche).
Manche Jungfische fressen nur Artemia-Nauplien, manche nur Mikrowürmer und ein
weiterer Teil nimmt beide Futterarten zu sich.
Frei schwimmende Jungfische (2 Wochen alt)
Frei schwimmende Jungfische (2 Wochen alt)
Frei schwimmende Jungfische (2 Wochen alt)
Frei schwimmende Jungfische (3 Wochen alt)
Frei schwimmende Jungfische (3 Wochen alt)
Frei schwimmende Jungfische (3 Wochen alt)
Frei schwimmende Jungfische (3 Wochen alt)
Frei schwimmende Jungfische (4 Wochen alt und circa 7-8 mm groß)
Frei schwimmende Jungfische (4 Wochen alt und circa 7-8 mm groß)
Frei schwimmende Jungfische (4 Wochen alt und circa 7-8 mm groß)
Frei schwimmende Jungfische (4 Wochen alt und circa 7-8 mm groß)